3. Ludwig und Rosa Regina Baumgarten, geb. Durlacher, Horst Norbert und Ingeborg Baumgarten, Herbert und Pauline Gertrud Fleischhacker, geb. Demtröder, Erna und Gerda Gisela Fleischhacker

Schwetzinger Straße 12

Ludwig Baumgarten vor seinem Ladengeschäft

Ludwig Baumgarten vor seinem Ladengeschäft

Die Familie Baumgarten war aktiv am Hockenheimer Leben beteiligt. Herr Baumgarten besuchte regelmäßig die öffentlichen Ratssitzungen und freute sich, als mitgeteilt wurde, dass Hockenheim eine Rennstrecke erhalten soll. Dies hat er stolz seinem Sohn Horst mitgeteilt. „ Horst, Hoggene wird jetzt Rennstadt und berühmt und es werden viele Menschen nach Hockenheim kommen, die auch Geld in unsere Stadtkasse bringen.“

Die Baumgartens betrieben eine Tabakfabrik in der Schwetzinger Straße. Frau Regina Baumgarten war Vorstandsdame beim Roten Kreuz in Hockenheim. Ludwig Baumgarten war ein super Kraftsportathlet und trat bei vielen Veranstaltungen auf.

Ingeborg Baumgarten konnte sehr gut Geige spielen und durfte oft im Stadtpark vorspielen.

Horst Baumgarten ist vermutlich der EINZIGE noch lebende jüdische Bürger Hockenheims, der die Judenverfolgung und den Synagogenbrand in Hockenheim miterlebt hat. Durch lautes Geschrei ist er früh am Morgen aufgewacht und mit dem Fahrrad zur Synagoge gefahren. Viele Hockenheimer warnten ihn und sagten „Horschtel fohr net hie, die werre dich noch zusammeschloge, bleib liewer de hoom“. Horst hielt sich aber nicht an ihren Ratschlag – er wollte sehen was passiert sei. Im Jahre 1939 konnte er nach England auswandern. Er wird in diesem Jahr 92 Jahre alt und lebt im jüdischen Altersheim in Manchester, England.

Trotz all diesen grausamen Erinnerungen erinnert sich Norbert Barrett, alias Horst Baumgarten, noch gerne an die Hockenheimer Zeit.

Familie Fleischhacker

Familie Fleischhacker

Herbert Fleischhacker, Sohn aus erster Ehe von Frau Baumgarten, war nach dem Kriege Geschäftsführer in der Hockenheimer GEG und wohnte, wie seine Schwester Gerda Fleischhacker, ebenfalls in der Schwetzinger Straße 12.
Herbert Fleischhacker konnte überleben, weil „Gute Freunde“ in 3 Jahre lang in Karlsruhe versteckt haben. Jede Nacht verbrachte er bei anderen Freunden. Seine Frau und seine Kinder haben eine sehr schwere Zeit durchmachen müssen.

Sein Sohn Udo Fleischhacker, damals 4 Jahre alt, hört bis heute noch die Schreie, als seine Oma, sein Opa und seine zwei Tanten von der Gestapo am 22. Oktober 1940 in ihrer Wohnung abgeholt und mit dem „Grünen Wägele“ nach Mannheim zur Sammelstelle im Hauptbahnhof gebracht worden sind. Er sagte: „So etwas kann man sein ganzes Leben lang nicht vergessen und auch nicht begreifen. Oft muss ich an diesen schrecklichen Tag denken, an dem unsere Familie so geweint hat, weil sie auseinandergerissen worden ist.“ Niemand wusste wohin ihre Reise, Verschleppung ging.

Von Mannheim aus sind Sie in Viehwagons der Deutschen Reichsbahn, mit 2.335 „Badischen Juden“, in das das französische Internierungslager Gurs am Westrand der Pyrenäen, deportiert worden.

1942 sind Ludwig Baumgarten, Regina Baumgarten, Ingeborg Baumgarten und Gerda Fleischhacker vom Lager Gurs nach Auschwitz deportiert worden. In Auschwitz sind sie ermordet worden.