1. Maier, Charlotte, Wilhelm, Frieda, Moritz und Anna Adelsberger

Untere Hauptstraße 3

Das Ehepaar Maier und Charlotte Adelsberger

Das Ehepaar Maier und Charlotte Adelsberger

In der Unteren Hauptstraße 3 wohnte die Familie Adelsberger, die Witwe Charlotte Adelsberger, mit ihren Kindern Wilhelm und Frieda. Ihr Mann, der Viehhändler Maier Adelsberger starb im Jahre 1938 vor der Reichspogromnacht im Alter von 73 Jahren.

Sohn Moritz wohnte seit seiner Heirat in Mannheim, wo er einen Süßwarengroßhandel betrieb, den er aber später nicht mehr ausüben durfte. Wilhelm Adelsberger wurde nach dem Synagogenbrand, mit vier anderen Hockenheimer Juden, nach Dachau in Schutzhaft gebracht. Am 15. Dezember 1938 kehrte er aus dieser wieder nach Hockenheim zurück. Die Witwe verkaufte, wie andere jüdische Mitbürger, im Jahre 1939 unter Zwang das Haus und zog mit ihren Kindern zum Sohn Moritz nach Mannheim.

Im hinteren Gebäude der Unteren Hauptstr. 3, ehemals Bismarckstr. 3, befand sich ein großes Tabaklager, zeitweise auch ein Hopfenlager. Der Schornstein erinnerte an die ehemalige Trocknungsanlage. Das Haus Adelsberger beherbergt bis zum heutigen Tage das „Hockenheimer Storchennest“.

Wilhelm Adelsberger

Wilhelm Adelsberger

Frieda Adelsberger

Frieda Adelsberger

Die Storchenpaare kommen seit vielen Jahrzehnten gerne nach Hockenheim zur Familie Adelsberger. Vielen Hockenheimern Kindern ist hier zum ersten Male das berühmte Märchen „woher die Kinder kommen“ erzählt worden.

Am 22. Oktober 1940, am Tage der Wagner-Bürckel-Aktion, sind die Mutter, Charlotte Adelsberger, ihre Tochter Frieda und ihr Sohn Wilhelm von der Gestapo in Mannheim abgeholt und zum Sammelplatz gebracht worden. In Sonderzügen der Deutschen Reichsbahn wurden sie in das Internierungslager Gurs, in den französischen Pyrenäen, deportiert.

Charlotte Adelsberger starb am 2. Dezember 1940, im Alter von 68 Jahren, im Internierungslager Gurs an Typhus, aufgrund der dortigen katastrophalen hygienischen Verhältnisse.

Frieda und Wilhelm wurden 1942 nach Auschwitz deportiert. Sie wurden ermordet.

Moritz Adelsberger

Moritz Adelsberger

Anna Adelsberger

Anna Adelsberger

Herr Moritz Adelsberger hat Dachau, Straflager Berlin und KZ-Theresienstadt überlebt und ist als EINZIGER Hockenheimer Jude, der in ein KZ deportiert wurde, wieder nach Hockenheim, in seine Heimatstadt, zurückgekehrt. Mit seiner Frau Anna und seinen Kindern Renate und Kurt zog er wieder in sein Elternhaus in der Unteren Hauptstraße ein. Er nahm aktiv am Hockenheimer Leben teil. Von vielen Hockenheimern wurde er geachtet und geschätzt. Im Jahre 1948 ist er der SPD beigetreten und hat am 24.03.1973 die Ehrenurkunde der SPD für 25 -jährige Treue und Mitgliedschaft erhalten. Geehrt wurde er auch für 50 Jahre Mitgliedschaft beim HSV. Herr Adelsberger starb im Alter von 80 Jahren (+16.06.1976).

Von den Familien Adelsberger verloren unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im 3. Reich – 18 Familienmitglieder und Anverwandte – ihr Leben.